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Das Bruttonationalglück aus ordnungspolitischer Sicht – eine Analyse des Wirtschafts- und Gesellschaftssystems von Bhutan

Publikationsdetails

Autoren:
Tobias Pfaff
Nummer:
182/2011

Zusammenfassung
In den späten 1970er Jahren erklärte der König des südasiatischen Kleinstaates Bhutan, dass für sein Land nicht das Bruttoinlandsprodukt wichtig sei, sondern vielmehr das Bruttonationalglück. Dieser Beitrag analysiert das Bruttonationalglück in Bhutan aus ordnungspolitischer Perspektive. Definitorisch kann das Bruttonationalglück als multidimensional und nachhaltig ausgerichtete Ordnungsstruktur Bhutans verstanden werden, die eine Ausgewogenheit von Wirtschaftswachstum und anderen Entwicklungszielen anstrebt, den Erhalt der nationalen Identität und Umwelt sicherstellen soll und auf buddhistischen Prinzipien und Werten basiert. Letztendlich ist das Brut-tonationalglück „ein Mandat des Staates zur Schaffung einer Umgebung, in der die Bürger menta-ler Gelassenheit nachgehen können“ (Dorji 2008a, Übers. d. Verf.). Die zentrale Frage des Beitrags lautet, ob das Bruttonationalglück eine Wirtschafts- und Sozialordnung ist, in der sich ein menschenwürdiges und wirtschaftlich erfolgreiches Leben entwickeln kann. Diese Frage wird differenziert beantwortet (Rechtssystem: eingeschränkt; politisches System: uneingeschränkt; Wirtschaftssystem: uneingeschränkt bei Vermeidung negativer externer Effekte und Sicherstel-lung von Nachhaltigkeit). Der Beitrag zeigt gewisse Parallelen zum Schrifttum der Gründerväter der Sozialen Marktwirtschaft, wo Wirtschaft nicht als Zweck an sich, sondern als Mittel zur Erreichung anderer Ziele gesehen wird. Bei allen gesellschaftlichen Unterschieden findet der Bei-trag so Anschluss an die aktuelle Debatte zu Wachstum, Wohlstand und Lebensqualität in Deutschland.

Keywords: Gross National Happiness, Bhutan, economic order, social order, welfare concept