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29
Jun

Sterblichkeit in Deutschland muss besser und schneller erfasst werden – Lehren aus COVID-19-Pandemie

Die COVID-19-Pandemie hat erhebliche Mängel bei der Erfassung und Dokumentation des Sterblichkeitsgeschehens in Deutschland offenbart. Ein aktuelles RatSWD Working Paper fokussiert auf zentrale Defizite: lange Informationsflüsse, fehlende zentrale Erfassung aussagekräftiger Mortalitätsdaten und fehlender Zugang zu solchen Daten für Forschung und Öffentlichkeit. Der RatSWD empfiehlt den Aufbau und die Weiterentwicklung eines bundesweiten Mortalitätsregisters bereits seit Jahren. Er begrüßt daher den aktuellen Diskussionsbeitrag besonders vor dem Hintergrund der COVID-19-Pandemie.

Zur Erforschung seltener Krankheiten, zur besseren Erfassung nicht-natürlicher Todesursachen und der Erhaltung und Verbesserung der gesundheitlichen Versorgung wie auch der sozialen Sicherung der gesamten Bevölkerung haben Mortalitätsregister eine hohe Relevanz. Sie liefern Daten zum allgemeinen Sterblichkeitsgeschehen inklusive Todesursachenerfassung. Im internationalen Vergleich hat Deutschland beim Aufbau eines landesweiten Registers jedoch Nachholbedarf. Der Rat für Sozial- und Wirtschaftsdaten (RatSWD) engagiert sich seit vielen Jahren beim Aufbau und bei der Weiterentwicklung eines bundesweiten Mortalitätsregisters und tauscht sich mit zentralen Akteuren, wie dem Autorenteam, aus. Bereits 2010 veröffentlichte er entsprechende Empfehlungen.

Ein aktueller Beitrag in der RatSWD Working Paper-Reihe offenbart vor dem Hintergrund der COVID-19-Pandemie erneut die Defizite bei der Erfassung und Dokumentation des Sterblichkeitsgeschehens in Deutschland. Mortalitätsregister können aktuelle Daten für die epidemiologische und demografische Erforschung von pandemisch auftretenden Infektionskrankheiten und damit die empirische Evidenz von kurzfristigen Entwicklungen bereitstellen – sie bieten darüber hinaus grundlegende Möglichkeiten für die Gesundheits- und Sozialforschung. Der RatSWD begrüßt den aktuellen Diskussionsbeitrag daher mit Nachdruck.

Die Autoren Prof. Dr. Norbert F. Schneider, Prof. Dr. Dr. Ulrich Mueller und Dr. Sebastian Klüsener vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) identifizieren drei Defizite als besonders schwerwiegend: 1. sind die Informationsflüsse von lokalen Gesundheitsämtern und Meldeeinrichtungen zum Robert Koch-Institut, den Statistischen Ämtern des Bundes und der Länder oder anderen zentralen Einrichtungen zu lang, 2. gibt es keine zentrale Erfassung von aussagekräftigen Mortalitätsdaten und 3. fehlt der wissenschaftlichen Forschung und Öffentlichkeit ein Zugang zu aussagekräftigen Mortalitätsdaten. Der Artikel zeigt Maßnahmen zur Überwindung dieser Defizite auf, weist aber auch darauf hin, dass bei der statistischen Erfassung der Sterblichkeit immer gewisse Unschärfen verbleiben werden.

Das Working Paper steht als Open Access-Publikation kostenfrei zur Verfügung: https://www.konsortswd.de/aktuelles/publikation/wp272-2020/

Zitation:
Schneider, Norbert F., Ulrich Mueller und Sebastian Klüsener (2020): Sterblichkeit in Deutschland muss besser und schneller erfasst werden. Lehren aus der COVID-19-Pandemie. RatSWD Working Paper Nr. 272. https://doi.org/10.17620/02671.54.

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