Aufgaben und Arbeitsweise
Wie der RatSWD arbeitet und welche Aufgaben er übernimmt
“Der RatSWD vernetzt Wissenschaft und datenproduzierende Einrichtungen, um verlässliche Rahmenbedingungen für den Zugang zu hochwertigen Forschungsdaten zu schaffen und damit die empirische Forschung als Grundlage evidenzbasierter Politik zu stärken.”
Aufgaben
Im Wesentlichen arbeitet der RatSWD in folgenden Bereichen:
1. Datenerschließung und Datenzugang für die Wissenschaft
Der Zugang zu forschungsrelevanten Daten hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert. Bei zentralen Themen wie Bildung, Migration oder Gesundheitswesen bestehen jedoch noch immer Einschränkungen beim Datenzugang. Der RatSWD arbeitet auf Verbesserungen des institutionalisierten rechtssicheren Datenzugangs für die Wissenschaft und die Möglichkeit hin, Daten sektorenübergreifend zu verknüpfen.
2. Beratung bei Gesetzgebungsverfahren
Der RatSWD setzt sich dafür ein, dass im Rahmen von Gesetzgebungsverfahren die Belange der empirischen Forschung und der Forschungsdateninfrastruktur systematisch berücksichtigt werden. Er analysiert einschlägige Gesetzentwürfe, gibt schnell und fundiert Impulse für nationale und europäische Gesetzgebungsverfahren und erarbeitet Stellungnahmen. Angestoßene Diskussionen und Themen begleitet der RatSWD weiter.
3. Akkreditierung und Qualitätssicherung von Forschungsdatenzentren (FDZ)
Die vom RatSWD akkreditierten Forschungsdatenzentren (FDZ) stellen der Wissenschaft sensible, häufig auch in Verwaltungsprozessen anfallende Daten über sichere Zugangswege und nach transparenten Regeln zur Nachnutzung bereit. Der RatSWD hat gemeinsam mit den akkreditierten FDZ eine Bottom-up-Governance zur Sicherung der Qualität der Forschungsdateninfrastruktur aufgebaut. Der Akkreditierung der FDZ liegt ein Kriterienkatalog zugrunde, der zum einen die Einhaltung relevanter Standards durch neue FDZ sicherstellt. Zum anderen dienen die Akkreditierungskriterien als Grundlage für die jährliche Qualitätskontrolle innerhalb der bestehenden FDZ-Landschaft. Diese Mindeststandards werden regelmäßig überarbeitet und an aktuelle Entwicklungen und Rahmenbedingungen angepasst, um die Infrastruktur konsequent an den Bedarfen der Forschung auszurichten. Eine Beschwerdestelle bietet die Möglichkeit, Probleme der Datenbereitstellung zwischen Datennutzenden und den FDZ an den RatSWD zu adressieren.
4. Monitoring technologischer und methodischer Entwicklungen
Die Digitalisierung birgt große Chancen und Innovationspotenziale, da neue Datenquellen erschlossen und Analysemethoden (fort-)entwickelt werden. Diese Daten und Methoden bieten der wissenschaftlichen Forschung immense Potenziale. Der RatSWD verfolgt methodische und technologische Entwicklungen und unterbreitet Vorschläge zu Rahmenbedingungen für einen rechtssicheren und qualitätsgesicherten Zugang zu neuen Datentypen und deren wissenschaftliche Auswertung.
5. Durchführung der Konferenz für Sozial- und Wirtschaftsdaten (KSWD)
Der RatSWD und KonsortSWD setzen die Reihe von Konferenzen für Sozial- und Wirtschaftsdaten (KSWD) fort. Die Konferenz dient der Diskussion aktueller wissenschaftlicher Themen im Kontext von empirischer Sozial-, Verhaltens-, Bildungs- und
Wirtschaftsforschung und Datenproduktion. Die Konferenz bietet ein gemeinsames Forum für Wissenschaft, Wirtschaft, amtliche Statistik, Politik und (Zivil-)Gesellschaft.
6. Reflexion zu forschungsbezogenen Werten und Normen
In den Sozial-, Verhaltens-, Bildungs- und Wirtschaftswissenschaften werden forschungsethische Belange zunehmend thematisiert, um zu verhindern, dass durch Forschung Einzelnen, Gruppen oder ganzen Gesellschaften Schaden zugefügt wird.
Gleichzeitig spielen wissenschaftsbezogene Werte und Normen wie z.B. Forschungsfreiheit, Open Science und Open Data eine zentrale Rolle für die Ausgestaltung von Infrastruktur. Der RatSWD legte beispielsweise bereits ein Gesamtkonzept für forschungsethische Grundsätze und Prüfverfahren in den Sozial- und Wirtschaftswissenschaften vor und bietet eine umfangreiche Materialsammlung für Ethikkommissionen und Forschende zum Thema. Der RatSWD sieht sich als Akteur, der die Awareness für forschungsethisches Handeln stärkt und ein Forum für den nationalen und internationalen Austausch zu forschungsethischen Themen schaffen möchte.
Der RatSWD unterstützt Forschende durch seinen Beitrag zu einem die Forschung unterstützenden Kultur- und Wertewandel, aber auch durch die Erarbeitung von handlungsleitenden Handreichungen.
7. Förderung von Datengovernance
Der RatSWD setzt sich für einen ganzheitlichen Umgang mit Daten in der Wissenschaft ein, mit dem Ziel, die Qualität, den Schutz und die Sicherheit von Daten sicherzustellen und die Einhaltung datenschutzrechtlicher Vorgaben zu gewährleisten. Durch die Förderung einer umfassenden Datengovernance sollen die organisatorischen und rechtlichen Rahmenbedingungen und Voraussetzungen für das Teilen und Nachnutzen von Daten in den Disziplinen des RatSWD weiter vorangetrieben werden.
8. Beteiligung an Initiativen und Abstimmung mit internationalen Akteuren
Der RatSWD ist ein zentraler Ansprechpartner für internationale Initiativen im Bereich Datenpolitik, z.B. als organisatorisches Mitglied in der Research Data Alliance (RDA). Er beschäftigt sich damit, wie die Internationalisierung der Dateninfrastruktur vorangetrieben wird und wie die im RatSWD repräsentierten Disziplinen an den europäischen Entwicklungen etwa über die European Open Science Cloud (EOSC) eingebunden sein können.
9. Einbindung der Scientific Community in KonsortSWD
Der RatSWD hat im Rahmen von KonsortSWD die wichtige Aufgabe der Community-Einbindung übernommen. Er bindet die Scientific Community durch eine partizipative Legitimation seiner Vertreter:innen und durch die enge Zusammenarbeit mit den Fachgesellschaften ein. Dabei kommt dem RatSWD zugute, dass die Hälfte seiner Mitglieder auf Vorschlag der einschlägigen Fachgesellschaften gewählt wurde und dadurch eine enge Bindung zu diesen besteht. Der Aufgabe der Community-Einbindung wird darüber hinaus im Rahmen von Ratssitzungen oder auch im Zuge der Arbeit in den Arbeitsgruppen nachgekommen.
Arbeitsweise
Der RatSWD trifft sich dreimal im Jahr zu Sitzungen, von denen in der Regel zwei in Präsenz in Berlin stattfinden.
Ein Großteil der Arbeit des RatSWD findet in thematischen Fokusgruppen statt, die in der Regel virtuell zusammenkommen. Hier bringen die Mitglieder ihre Expertise themenspezifisch in Beratungen, Veröffentlichungen und Stellungnahmen ein.
Zusammenarbeit mit dem Ständigen Ausschuss Forschungsdateninfrastruktur
Die vom RatSWD akkreditierten, derzeit 39 Forschungsdatenzentren arbeiten im Ständigen Ausschuss Forschungsdateninfrastruktur (FDI Ausschuss) zusammen. Der FDI Ausschuss ist ein dynamisches, dezentrales Netzwerk mit dem Ziel, die Forschungsdateninfrastruktur zu sichern und kontinuierlich zu verbessern sowie Erfahrungen und Wissen auszutauschen.
Finanzierung und institutionelle Anbindung
Das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) ist mit der Wahrnehmung der Geschäfte des RatSWD beauftragt. Der RatSWD ist Teil des Konsortiums für die Sozial-, Verhaltens-, Bildungs- und Wirtschaftswissenschaften (KonsortSWD) in der nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI), aktuell gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG).
Zeitraum: 10/2020–12/2028