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16
Apr

10 Jahre RatSWD – Festveranstaltung

Big Data – Big Trouble?
Der Nutzen von Big Data für Forschung, Politik und Gesellschaft.

Vor über 10 Jahren hat der Rat für Sozial- und Wirtschaftsdaten (RatSWD) seine Arbeit aufgenommen und konnte seitdem den Zugang zu zahlreichen Forschungsdaten für die Sozial-, Verhaltens- und Wirtschaftswissenschaften öffnen und deren Qualität signifikant verbessern. Gleichzeitig ist die weltweite Datenmenge nicht nur in der Forschung exponentiell gestiegen. Hinzu tritt in jüngster Zeit jedoch eine zweite Entwicklung: die automatisiere Durchsuchung und Auswertung der nunmehr entstandenen Datenberge.

Doch welchen wissenschaftlichen Mehrwert können wir mittels dieser „intelligenten“ Algorithmen von „Big Data“ erwarten? Welche Auswirkungen werden sie auf die empirische Politikberatung und die Gesellschaft haben? Steht der Wissenschaft etwa ein Paradigmenwechsel – von der Kausalität zur Korrelation – bevor und ist die theoriegetriebene Wissenschaft mit ihm vielleicht sogar am Ende?

Anlässlich seines 10-jährigen Bestehens geht der RatSWD diesen grundlegenden Zukunftsfragen mit hochrangigen Vertreterinnen und Vertretern aus Wissenschaft, Forschung und Politik nach und lädt Sie zu einer spannenden Diskussion ein.

Programm

Begrüßung „10 Jahre RatSWD – Ausblick auf die nächsten 10 Jahre“
Prof. Regina T. Riphahn, Ph.D., Vorsitzende RatSWD

Grußworte
Ulrich Schüller, Bundesministerium für Bildung und Forschung
Prof. Dr. Peter Farago, FORS – Schweizer Kompetenzzentrum Sozialwissenschaften

Festvortrag "Big Data – Komplexität meistern"

Prof. Dr. Klaus Mainzer, TU München

Digitalisierung und Automatisierung sind die Antwort auf die zunehmende Komplexität in Forschung, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Wie das Internet der Dinge und Industrie 4.0 zeigen, wird die Arbeits-, Alltags- und Freizeitwelt der Menschen durch Digitaltechnik bestimmt. Die dabei anfallenden Datenmengen („Big Data“) lassen sich nur noch durch neuartige leistungsfähige Algorithmen beherrschen. Wie weit tragen aber Big Data-Algorithmen und wo liegen ihre Grenzen? Eine alte erkenntnistheoretische Einsicht der Statistik wird wieder hoch aktuell: „Correlations are no (causal) explanations.“ Daher müssen Zusammenhänge verstanden und Digitalisierungskompetenz aufgebaut werden, um sich auf die digitale Arbeits- und Lebenswelt der Zukunft vorzubereiten.

Prof. Dr. Klaus Mainzer arbeitet als Wissenschaftsphilosoph über Grundlagen und Zukunftsperspektiven von Wissenschaft und Technik. Im Zentrum stehen dabei die Mathematisierung und Computermodellierung von Wissenschaft und Technik. Bekannt wurde er als Komplexitätsforscher, der schwerpunktmäßig komplexe Systeme in Natur, Technik, Wirtschaft und Gesellschaft untersucht, das Paradigma der Selbstorganisation, der Chaostheorie, der Künstlichen Intelligenz und des Künstlichen Lebens.
Vor seiner Berufung auf den Lehrstuhl für Philosophie und Wissenschaftstheorie an der TUM und seiner Tätigkeit als Direktor der Carl von Linde-Akademie im Jahr 2008 arbeitete er als Professor (1981-1988) und Prorektor (1985-1988) an der Universität Konstanz sowie als Professor und Gründungsdirektor des Instituts für interdisziplinäre Informatik (1988-2008) an der Universität Augsburg. Er studierte Mathematik, Physik und Philosophie an der Universität Münster. Er ist Mitglied in zahlreichen (inter-)nationalen Gremien und Akademien. Von 2012 bis 2014 hat er als Gründungsdirektor das Munich Center for Technology in Society (MCTS) aufgebaut. Kürzlich erschien sein Buch „Die Berechenbarkeit der Welt. Von der Weltformel zu Big Data“ (C.H. Beck: München 2014).

Paneldiskussion "Big Data – Big Trouble?"

Moderation: Dr. Ursula Weidenfeld (Journalistin)

Prof. Dr. Claudia Eckert (TU München, Fraunhofer AISEC)

Prof. Dr. Claudia Eckert ist Leiterin des Fraunhofer-Instituts für Angewandte und Integrierte Sicherheit (AISEC) in München und Professorin der Technischen Universität München, wo sie den Lehrstuhl für IT-Sicherheit in der Fakultät für Informatik inne hat. Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählen die Entwicklung von Technologien zur Erhöhung der System- und Anwendungs-Sicherheit, die Sicherheit eingebetteter Systeme und die Erforschung neuer Techniken zur Erhöhung der Resilienz und Robustheit von Systemen gegen Angriffe. Ihre Forschungsergebnisse wurden in über 150 begutachteten Fachbeiträgen veröffentlicht.
Als Mitglied verschiedener nationaler und internationaler industrieller Beiräte und wissenschaftlicher Gremien berät sie Unternehmen, Wirtschaftsverbände sowie die öffentliche Hand in allen Fragen der IT-Sicherheit. In Fachgremien wirkt sie mit an der Gestaltung der technischen und wissenschaftlichen Rahmenbedingungen in Deutschland sowie an der Ausgestaltung von wissenschaftlichen Förderprogrammen auf EU-Ebene.

Kurz-Lebenslauf

  • 1993 Promotion an der TU München
  • 1999 Habilitation an der TU München
  • von 2000 bis 2001 Professur für Praktische Informatik an der Uni Bremen
  • von 2001 bis 2008 Professur an der TU Darmstadt
  • von 2001 bis 2011 Leitung des Fraunhofer-Instituts SIT in Darmstadt
  • 2002 Gründung des Darmstädter Zentrums für IT-Sicherheit (DZI)
  • 2008 Gründung des Forschungszentrums CASED
  • von 2008 bis 2010 Co-Direktorin des Forschungszentrums CASED
  • 2008 Berufung an die TU-München
  • seit 2009 Aufbau und Leitung des Fraunhofer AISEC in München
  • 2009 bis 2011 Vizepräsidentin der Gesellschaft für Informatik (GI)
  • 2010 Mitglied acatech, Akademie der Technik Wissenschaften
  • 2011 Mitglied der Schutzkommission des BMI
  • 2011 Aufsichtsratmitglied der Bundesdruckerei
  • seit 2013 Mitglied des Aufsichtsrats der EADS Deutschland (Airbus Defense & Security)
Prof. Dr. Ernst Hafen (ETH Zürich)

Dr. Ernst Hafen ist Professor am Institut für Molekulare Systembiologie und ehemaliger Präsident der ETH Zürich.

Er setzt sich aktiv für den Dialog zwischen Forschung und Gesellschaft und für die Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnis in kommerzielle Produkte ein.

Als Molekulargenetiker hat Ernst Hafen ein starkes Interesse an der Humangenetik und der personalisierten Medizin. Er postuliert, dass eine individuelle Kontrolle über persönliche Gesundheitsdaten einen Schlüsselfaktor für eine bessere und effektive Gesundheitsversorgung darstellt.

Er gründete im Jahr 2012 den Verein Daten und Gesundheit. Der Verein beabsichtigt, auf politischer und ökonomischer Ebene die digitale Selbstbestimmung der Bürger zu stärken und die Gründung genossenschaftlich organisierter Banken für persönliche Daten zu fördern.

Prof. Dr. Wolfgang E. Nagel (TU Dresden, ScaDS Dresden-Leipzig)

Prof. Dr. Wolfgang E. Nagel ist Direktor des Zentrums für Informationsdienste und Hochleistungsrechnen (ZIH) und leitet an der Technischen Universität Dresden das Institut für Technische Informatik, indem auch seine Professur für Rechnerarchitektur angesiedelt ist. Er publizierte mehr als 150 wissenschaftliche Arbeiten zu modernen Programmierkonzepten, Softwarewerkzeugen zur Unterstützung skalierbarer und datenintensiver Anwendungsentwicklung, der Analyse innovativer Rechnerarchitekturen sowie der Entwicklung effizienter paralleler Algorithmen und Methoden.

Er ist Vorsitzender der Gauß-Allianz e.V. und Mitglied des internationalen Big Data and Extreme-scale Computing (BDEC) Projektes. Seit Oktober 2014 ist er wissenschaftlicher Koordinator des neu gegründeten nationalen Kompetenzzentrums „ScaDS – Competence Center for Scalable Data Services and Solutions Dresden/Leipzig“ für den intelligenten Umgang mit Big Data, das in der vierjährigen Aufbauphase durch das BMBF gefördert wird.

Kurz-Lebenslauf

  • 1993 Promotion zum Dr. rer. nat, RWTH Aachen
  • 1994 Research Scientist, California Institute of Technology, Pasadena, Kalifornien, USA
  • 1995 – 1997 Leiter der Abteilung Programmiertechniken, Zentralinstitut für Angewandte Mathematik (ZAM), Forschungszentrum Jülich GmbH
  • 1997 – 2001 Professur für Hochleistungsrechnen, Institut für Wissenschaftliches Rechnen, Fakultät Mathematik und Naturwissenschaften, TU Dresden
  • 1997 – 2005 Direktor des Zentrums für Hochleistungsrechnen (ZHR) der TU Dresden (Zentrale Wissenschaftliche Einrichtung)
  • 2006 – 2009 Dekan der Fakultät Informatik der TU Dresden
  • seit 2001 Professur für Rechnerarchitektur, Institut für Technische Informatik, Fakultät Informatik und gleichzeitig Fakultät Mathematik und Naturwissenschaften, TU Dresden
  • seit 2004 Vorsitzender des Lenkungsausschusses des HLRS Stuttgart
  • seit 2005 Direktor des ZIH, TU Dresden (Zentrale Wissenschaftliche Einrichtung)
  • 2005 – 2014 Mitglied der Evaluierungskommission der Leibniz-Gemeinschaft
  • seit 2005 Stellv. Aufsichtsratsvorsitzender der Bildungsportal Sachsen GmbH
  • 2006 – 2012 Mitglied der Kommission für IT-Infrastruktur (KfR) der DFG
  • seit 2008 Vorsitzender der Gauß-Allianz e.V.
  • seit 2014 Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirates des FIZ Karlsruhe
Prof. Dr. Armin Nassehi (LMU München)

Prof. Dr. Armin Nassehi, geb. 1960 in Tübingen, aufgewachsen in München, Landshut, Teheran und Gelsenkirchen, ist seit 1998 Lehrstuhlinhaber für Soziologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU). Darüber hinaus ist er Mitglied des Vorstands des Humanwissenschaftlichen Zentrums der LMU, Mitglied des Vorstandes des Münchner Kompetenzzentrums Ethik, seit 2009 Mitglied des Hochschulrates und des Senats der LMU München, und seit 2012 Mitglied des Vorstands des Forschungsinstituts für Philosophie, Hannover.

Seine Forschungsgebiete liegen im Bereich Kultursoziologie, Wissenssoziologie und politischen  Soziologie. Er hat zahlreiche Publikationen innerhalb dieser Forschungsgebiete veröffentlicht, darunter mehr als 20 Bücher. Außerhalb des Hochschulbereichs ist Prof. Nassehi vielfältig in Vortrags- und Beratungskontexte eingebunden sowie publizistisch tätig. Er veröffentlicht regelmäßig in SZ, FAZ, DIE ZEIT etc. Seit 2012 ist er Herausgeber der Kulturzeitschrift „Kursbuch“. In seiner Freizeit ist er ein leidenschaftlicher Sänger (Bass/Bariton).

Peter Schaar (EAID)

Vorsitzender der Europäischen Akademie für Informationsfreiheit und Datenschutz (EAID), Bundesbeauftragter für den Datenschutz und die Informationsfreiheit a.D (2003-2013)

Geboren in Berlin 1954, Diplom-Volkswirt. 1979-1986 verschiedene Funktionen in der öffentlichen Verwaltung. 1986-2002 zunächst Referatsleiter für technologischen Datenschutz, dann stellvertretender Hamburgischer Datenschutzbeauftragter. 2002/3 Gründung und Leitung eines Datenschutzberatungsunternehmens. 2003-2013 Bundesbeauftragter für den Datenschutz und die Informationsfreiheit. Seit 2007 Lehrbeauftragter an der Universität Hamburg.

Zahlreiche Veröffentlichungen, darunter die Bücher Datenschutz im Internet (2002), Das Ende der Privatsphäre (2007), Total überwacht – Wie wir in Zukunft unsere Daten schützen (2014).

Auszeichnungen: „Das politische Buch“ Preis der Friedrich-Ebert-Stiftung (2008); “eco Internet AWARD (2008), “Deutscher Datenschutzpreis“ der GDD (2013), “Louis D. Brandeis Privacy Award“ der US-Patientenrechteorganisation Patients Privacy Rights (2014).

Blog: www.eaid-berlin.de/?cat=8

Impressionen

Kontakt

Petra Holthöfer
Tel.: 030 233611-324

E-Mail: zehnjahre@ratswd.de

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