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Programm und Dokumentation

Hier finden Sie das vollständige Programm sowie die Präsentationen der 10. Konferenz für Sozial- und Wirtschaftsdaten.

Programm Tag 1 - Montag, 22. Juni 2026

ab 08:30Registrierung
09:30–09:45Begrüßung
Prof. Dr. Kerstin Schneider, Vorsitzende des RatSWD
Prof. Dr. Christof Wolf, Sprecher des Konsortiums für die Sozial-, Verhaltens-, Bildungs- und Wirtschaftswissenschaften (KonsortSWD)
09:45–10:05Eröffnungsrede
Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt

Parlamentarische Staatssekretärin Dr. Silke Launert
10:05–10:15Organisatorischer Überblick
Lisa Kühn, Leiterin der Geschäftsstelle des RatSWD
10:15–11:15Auftaktpanel: Zukunft der Dateninfrastruktur in Deutschland
Prof. Dr. Kerstin Schneider, Vorsitzende des RatSWD
Prof. Dr. Christof Wolf, Sprecher des Konsortiums für die Sozial-, Verhaltens-, Bildungs- und Wirtschaftswissenschaften (KonsortSWD)
Prof. Vivien Petras, PhD, Humboldt Universität zu Berlin
11:15–11:35Kaffe- und Wechselpause | Meet-the-FDZ: Schwerpunkt qualitative Daten I
11:35-12:50Sessions (A–C)
A – Sozialwissenschaftliche Daten in Krisen- und Katastrophenzeiten
  • Dr. Claudia Schmiedeberg, German Longitudinal Environmental Study (GLEN), Ludwig-Maximilians-Universität München
    Daten zu Krisen und Katastrophen für die sozialwissenschaftliche Forschung im Umweltpanel GLEN Präsentation
  • Dr. Markus Steinbrecher, Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften (ZMSBw)
    Verteidigungsfall und Verteidigungsbereitschaft. Einige Überlegungen für die sozialwissenschaftliche Dateninfrastruktur in Deutschland Präsentation
  • Svenja Boberg, Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), Referat Bevölkerungsverhalten in Krisen
    Das Nationale Lagebild Bevölkerungsverhalten in Krisen Präsentation
Moderation: Prof. Dr. Stefan Liebig, Freie Universität Berlin
Details

Krisen – Epidemien, Extremwetterereignisse, Gefahren der inneren und äußeren Sicherheit – können den Zusammenhalt, die Ordnung und das Wohlergehen der Gesellschaft verändern oder bedrohen. Die sozialwissenschaftliche Forschung ist prinzipiell in der Lage, Erkenntnisse über Merkmale von Gesellschaften (wie z.B. Resilienzen oder Vulnerabilitäten), deren Entstehung, Entwicklung und Zusammenhänge zu liefern, die überdies von enormem praktischem Wert sind, da sie gesellschaftliche und politische Handlungsbedarf identifizieren können. Grundlage dafür sind qualitätsgeprüfte empirische Daten über die Bevölkerung, aber auch Betriebe und Unternehmen.

In dieser Session werden aktuelle Erkenntnis- und Erhebungsbedarfe an krisenbezogenen Informationen aus Perspektive der Wissenschaft und Praxis vorgestellt. Was ist der Status Quo, wo bestehen Lücken, wie können diese geschlossen werden? Ein Schwerpunkt liegt auf der Erweiterung und Verbesserung von Dateninfrastrukturen für die sozialwissenschaftliche Forschung zu Krisen und Katastrophen und der Einbringung krisenrelevanter Inhalte in Bevölkerungs- und Unternehmensbefragungen. Außerdem werden Möglichkeiten einer besseren Vernetzung und Koordination von Forschung, Praxis und Datenproduktion diskutiert, um in akuten Krisen- und Katastrophensituationen schnell reagieren und Daten verfügbar machen zu können.

B – Unternehmensdaten als Forschungsressource: Potenziale durch mehr Kooperation
  • Dr. Christina Langer, Stepstone & ifo Institut
  • Philip Raatz, RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung
  • Dr. Bastian Mohr, Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
Moderation: Dr. Sebastian Wichert, ifo Institut
Details

In dieser Session geht es um die Potenziale von Unternehmensdaten aus Geschäfts- und Transaktionsprozessen für die wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Forschung sowie für die Politikberatung. Vorrausetzung für die Nutzung dieser Daten ist oftmals eine Kooperation zwischen Wirtschaft und Wissenschaft, die für alle Partner Mehrwerte generiert. Im Mittelpunkt steht daher hier die Frage, wie diese Kooperationen gestaltet werden können, um verlässliche Datenzugänge für politikrelevante Forschungsfragen zu eröffnen und gleichzeitig auch Vorteile für Unternehmen zu schaffen, ohne die wissenschaftliche Unabhängigkeit zu gefährden. Anhand konkreter Beispiele werden Chancen, Herausforderungen und geeignete Rahmenbedingungen im Umgang mit Unternehmens- und prozessgenerierten Daten beleuchtet. Die Session möchte Wege aufzeigen, wie Unternehmensdaten als Forschungsressource besser erschlossen und über vertrauenswürdige Infrastrukturen nachhaltig für die Wissenschaft nutzbar gemacht werden können.

C – Daten in der Forschung. Umgang mit Herausforderungen I
  • Bernd Fitzenberger, Karolin Hiesinger, Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung
    Politikevaluation als gesetzlicher Auftrag: das Teilhabechancengesetz als Fallbeispiel Präsentation
    Details In ihrem Koalitionsvertrag haben sich die aktuellen Regierungsparteien zur Vorlage eines Forschungsdatengesetzes bekannt. Dieses Gesetz ist dringend notwendig, da existierende Daten in weitestmöglicher Form für eine evidenzbasierte Politikberatung bereit stehen sollten. Nur auf einer breiten Datengrundlage können Gesetze auf ihre Wirksamkeit hin analysiert und valide Bewertungen vorgenommen werden. Dabei bergen insbesondere Individualdatensätze, bei denen Befragungsdaten mit Zustimmung der Befragten mit verschiedenen administrativen Datenquellen verknüpft werden, großes Potenzial für Forschung und Politikberatung. Denn zusätzliche Informationen aus Befragungen, welche in den administrativen Daten nicht enthalten sind (z. B. subjektive Einschätzungen), können vertiefte und spezifische Einblicke in bestimmte Sachverhalte liefern. Am Beispiel von Forschung am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) wird aufgezeigt, wie der Datenzugang zu Sozialdaten unter Wahrung des Datenschutzes geregelt wird und wie mit empirischen Analysen basierend auf verknüpften Datensätzen eine wichtige Politikreform begleitend evaluiert wird. Bei dieser Politikreform handelt es sich um das Teilhabechancengesetz (THCG), das zum 1. Januar 2019 in Kraft getreten ist und das die Arbeitsmarktintegration von Langzeitarbeitslosen mithilfe von Lohnkostenzuschüssen und begleitendem Coaching verbessern soll.
  • Hannes Wünsche, Patrick Schmich, Robert-Koch-Institut
    Die Datenkuration des RKI-Panel - FAIR Data by Design, EHDS ready
    DetailsDas RKI-Panel „Gesundheit in Deutschland“ ist die Studieninfrastruktur des Robert Koch-Instituts für repräsentative Befragungen zur gesundheitlichen Lage der Bevölkerung mit über 40.000 Teilnehmenden. Ziel ist die zeitnahe Bereitstellung epidemiologischer Daten zu zentralen Gesundheits- und Lebensumwelt-Themen als evidenzbasierte Grundlage für Politik, Prävention und Versorgung.Um den aktuellen Herausforderungen im Bereich der Arbeit mit Gesundheitsdaten zu begegnen (u.a. Recod Linkage, Federated Learning), wird das Datenmanagement und die zugehörige technische Infrastruktur des RKI-Panels seit 2025 grundlegend überarbeitet. Ziel ist ein vollständig FAIR- und EHDS-konformes Datenmanagement. Um dies zu erreichen wird bei zentralen Elementen der Datenkurration auf offen Standards, Informationsobjekte und Technologien gesetzt. Datenquellen, Kontextmaterialien und Transformationen werden so vollständig nachvollziehbar und bilden die Grundlage für Transparenz, Reproduzierbarkeit.Der Vortrag stellt die Struktur des Panel Datenmanagements vor und fokussiert dabei folgende Aspekte:>> Datenerhebung auf Basis von Datapackage- oder FHIR-Profilen, wodurch standardisierte, interoperable und maschinenlesbare Datenstrukturen geschaffen werden>> Zentrale Erfassung Studienmetadaten>> Versionierte Steuerung und Dokumentation der Prozess- und Verarbeitungsschritte über die Workflow-Orchestrierung mit Dagster
  • Alexander Dunkel, Leibniz Institute of Ecological, Urban and Regional Development
    Responsible Geosocial Data Pipeline: Ein Privacy-by-Design Ansatz zur Nutzung digitaler Spuren in der Raumentwicklung Präsentation
    Details Die Integration von nutzergenerierten, geosozialen Daten (z. B. Social Media) in die räumliche Planung bietet neue Chancen, kollektive Wahrnehmungsmuster und Raumnutzung zu verstehen. Die Verarbeitung dieser sensiblen Daten steht jedoch im Spannungsfeld zwischen Erkenntnisgewinn und striktem Datenschutz. Dieser Beitrag stellt die „Responsible Geosocial Data Pipeline“ vor, ein Infrastrukturkonzept zur ethischen Nutzbarmachung opportunistischer Datenströme, basierend auf Ergebnissen einer aktuellen Habilitationsschrift.Kern des Ansatzes ist ein Privacy-by-Design-Workflow, der die probabilistische Datenstruktur HyperLogLog (HLL) nutzt. Anstatt personenbezogene Rohdaten dauerhaft zu speichern, werden diese unmittelbar in anonyme statistische Abstraktionen (Sketches) überführt. Dies verunmöglicht eine Re-Identifikation, erlaubt aber weiterhin präzise Mengenschätzungen und komplexe Schnittmengenanalysen (z. B. Unterscheidung Touristen/Einheimische).Validiert wurde der Ansatz durch die Analyse „Digitale Spuren in der Landschaft“, welche global verteilte Datenpunkte über 15 Jahre für Deutschland synthetisiert, ohne die Privatsphäre der Nutzenden zu gefährden. Der Beitrag skizziert den Weg von der Methode zu einer permanenten Forschungsdateninfrastruktur. Ziel ist es, die Lücke zwischen volatilen Plattformdaten und den Anforderungen einer robusten, evidenzbasierten Politikberatung zu schließen und einen sicheren Zugang zu gesellschaftlich relevanten Verhaltensdaten zu gewährleisten.
  • Mario Datts, Tarek Skouti, DLR Projektträger
    Verknüpfung programmgenerierter Bildungsdaten mit amtlichen Sozialindikatoren: Potenziale und Grenzen am Beispiel des DigitalPakts Schule
    Details In der öffentlichen und politischen Debatte werden Bildungsförderprogramme zunehmend an gesamtgesellschaftlichen Wirkungen gemessen. Eine Möglichkeit für entsprechende Analysen auf Basis programmgenerierter Berichtsdaten ist deren Verknüpfung mit amtlichen Sozial- und Regionalindikatoren. Am Beispiel des DigitalPakts Schule (DPS) diskutiert der Beitrag Potenziale und datenlogische Grenzen solcher Verknüpfungen.Als Vorbedingung für solche Analysen wird eine systematische Datenmanagement-Strategie beschrieben. Zentrale Bausteine sind die qualitätsgesicherte Integration der Länderberichte in eine Datenbankstruktur sowie ein dokumentiertes Regelwerk zur Prüfung und Aufbereitung der Einreichungen. Der so erzeugte Analysebestand wird mit weiteren Merkmalen angereichert und mit Sozial- und Regionalindikatoren zusammengeführt. Dabei werden verschiedene Matchingverfahren vorgestellt.Besondere Grenzen ergeben sich aus der fehlenden bundesweit konsistenten Individualreferenzierung von Schulen und Schulträgern. Dadurch ist häufig nicht eindeutig bestimmbar, welche einzelnen Schulen bzw. Schulträger aus der Grundgesamtheit erreicht wurden.Das Fallbeispiel DPS zeigt: Aussagen zu gesellschaftlichen Effekten lassen sich mit angereicherten Prozessdaten ableiten; bestimmte datenlogische Limitationen (Grundgesamtheit/Identifikatoren) bleiben dabei strukturell bestehen.
Chair: Dr. Christin Czaplicki, Deutsche Rentenversicherung
12:50-14:00Lange Mittagspause
14:00-15:15Sessions (D–F)
D – Politische Prozessdaten für die Wissenschaft
  • Carsten Diercks, degepol
  • Claudia Bülter, Deutscher Bundestag
  • Dr. Jan Schwalbach, GESIS - Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften
Chair: Prof. Dr. Thorsten Faas, Freie Universität BerlinProf. Dr. Laura Seelkopf, Ludwig-Maximilians-Universität
Details

Ein besserer Datenzugang erhöht die Qualität der wissenschaftlichen Erkenntnis und damit auch die Fähigkeit der Wissenschaft die Politik zu beraten und der Gesellschaft insgesamt die bestmögliche Entscheidungsgrundlage zu geben. Ein wichtiger Bestandteil hiervon sind auch Daten über politische Prozesse und Entscheidungsfindungen. Diese Prozessdimension der Politikgestaltung hat gerade in jüngerer Vergangenheit nochmals deutlich an Bedeutung gewonnen. Über traditionell anfallende Daten – Biografien von Abgeordneten, Reden und Protokolle, Zugehörigkeiten zu Parlamenten, Fraktionen, Ausschüssen, Abstimmungsverhalten, Spenden – gibt es rund um diese Prozessdimension auch zunehmende Regulierungsbestrebungen, in deren Rahmen neue Daten – „Lobbyregister“, „legislativer Fußabdruck“ – anfallen. Dies gilt grundsätzlich auf allen Ebenen des politischen Systems – Bundestag, Landtage, aber auch in den Kommunen.

Viele dieser Daten sind bereits zugänglich, allerdings nicht in einer einfachen, systematischen Weise, insbesondere über verschiedene Ebenen des politischen Systems hinweg. Für das Verständnis politischer Prozesse, aber auch politischer Ergebnisse können diese Daten – disziplinübergreifend – einen wichtigen Beitrag leisten. Ziel des Panels auf der KSWD ist es, diese Daten in Umfang und Zugänglichkeit in den Blick zu nehmen und mit Vertreter:innen aus der Wissenschaft und der Praxis zu diskutieren. Perspektivisch soll dies einen wichtigen Akzent setzen, um diese Daten systematischer in den Blick zu nehmen und so – aufbauend auf der bisherigen Arbeit und Expertise – einen neuen Akzent in der Arbeit von RatSWD und KonsortSWD zu setzen.

E – Kollaboration in den Datenwissenschaften
  • Vom Projekt zur Infrastruktur: Betrieb eines interdisziplinären Dienstes zur Verknüpfung von Survey- und Geodaten

    Jan Goebel1, Maria Nieswand2, Alexander Jung1, Theodor Rieche2, Stefan Jünger3, Benjamin Zapilko3, Sujit Kumar Sikder2, Gotthard Meinel2
    1: DIW Berlin, SOEP, Deutschland; 2: Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung, Deutschland; 3: GESIS - Leibniz-Institut für SozialwissenschaftenPräsentation

    Details Die interdisziplinäre Verknüpfung von Forschungsdaten unterschiedlicher Quellen aus verschiedenen Disziplinen durch Linked Data Service hat stark an Bedeutung gewonnen. Solche Dienste erfordern jedoch nicht nur technische Lösungen, sondern auch tragfähige Governance-Strukturen zwischen beteiligten Institutionen. Im Rahmen des DFG-Forschungsprojekts Sozial-Raumwissenschaftliche Forschungsdateninfrastruktur (SoRa+) wurde eine technische und organisatorische Infrastruktur Geolinking Service SoRa (SoRa) aufgebaut, welche die Verknüpfung der Forschungsdateninfrastrukturen von GESIS, dem FDZ SOEP, sowie des IÖR-FDZ über interoperable Schnittstellen ermöglicht. Der Dienst ermöglicht die Beantwortung neuer interdisziplinärer Forschungsfragen an der Schnittstelle von Sozial-, Wirtschafts- und Raumwissenschaften. Zugleich ist SoRa so konzipiert, dass eine datenschutzkonforme Verknüpfung sensibler, insbesondere Survey- und Individualdaten mit Geodaten möglich ist. Aufgrund der besonderen Schutzbedürftigkeit dieser Daten kann eine solche Verknüpfung ausschließlich innerhalb gesicherter Forschungsumgebungen erfolgen, wie sie insbesondere Forschungsdatenzentren (FDZ) bereitstellen. Der Regelbetrieb von SoRa setzt dabei eine enge institutionsübergreifende Zusammenarbeit voraus, insbesondere in Bezug auf Rollenverteilung, Verantwortlichkeiten und Zugriffsregelungen. Perspektivisch kann SoRa um weitere FDZ erweitert werden.
  • Fachspezifische Bedarfe, fachübergreifende Infrastruktur: Zur Kooperation von Fachinformationsdiensten und dem Forschungsdatenzentrum Qualiservice

    Sabine Imeri1, Paula Lein2, Viola Logemann2, Michaela Rizzolli2
    1: Universitätsbibliothek Humboldt-Universität zu Berlin; 2: FDZ Qualiservice

    Details Aus verschiedenen Fachdisziplinen und wissenschaftlichen Communitys werden unterschiedliche Bedarfe an den Umgang mit qualitativen – insbesondere sensiblen – Forschungsdaten an Infrastrukturen, wie z.B. Forschungsdatenzentren herangetragen. Das Forschungsdatenzentrum (FDZ) Qualiservice an der Universität Bremen, das auf die Archivierung zur Nachnutzung qualitativer Forschungsdaten aus allen sozialwissenschaftlichen Disziplinen spezialisiert ist, setzt mit der Beteiligung an fünf Fachinformationsdiensten (FID) ein Kooperationsmodell um, das auf die notwendige Integration fachspezifischer Bedarfe in Forschungsdateninfrastrukturen reagiert: Im Rahmen der Kooperationen werden im engen Austausch mit den von den FID betreuten Communitys und ihren Fachgesellschaften passgenaue Archivierungslösungen und fachspezifische FDM-Beratungs- und Informationsangebote konzipiert. Die Kooperationen ermöglichen also eine maximale Nähe zwischen Forschenden und FDZ. Gleichzeitig entstehen dabei auch fachübergreifende Services und Lösungen, von denen qualitativ Forschende aller Disziplinen profitieren. In unserem Vortrag wollen wir nicht nur unser Kooperationsmodell vorstellen, sondern auch anhand von Beispielen aus unserer forschungsnahen Archivierungs- und Beratungspraxis aufzeigen, wie die FID eine zentrale Mittlerrolle zwischen Forschenden und Forschungsdateninfrastrukturen einnehmen können, sodass fachspezifische und fachübergreifende Bedarfe sich gewinnbringend zusammendenken lassen.
  • Reziprozität, Reputation & Datenqualität: Community-Datentreuhänder als Plattformen kollaborativer Datennutzung

    Pascal Siegers1, Nils Jungmann1, Jan Rau2, Lina Stille1, Moritz Fürneisen2, Gregor Wiedemann2
    1: GESIS Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften; 2: Leibniz-Institut für Medienforschung │ Hans-Bredow-Institut

    Details

    In der politischen Online-Kommunikationsforschung werden Textkorpora auf Grundlage des accountzentrierten Sampling generiert. Die Erstellung entsprechender Accountlisten ist mit hohem Aufwand verbunden und erfolgt häufig projektübergreifend redundant, da Accountverzeichnisse aufgrund ihrer datenschutzrechtlichen Sensitivität bislang kaum geteilt werden. Zudem besteht ein Kollektivgutproblem, da das Teilen solcher Listen anderen Forschenden potenziell Wettbewerbsvorteile im Hinblick auf Publikationen und Drittmittel verschafft.

    Als Lösungsansatz schlagen wir das Konzept einer Community-Datentreuhand (CDT) vor, in der Forschende Accountdaten in einer gemeinsamen Datenbank bündeln, wobei die Forschenden gleichermaßen Nutzende wie auch Datengebende sind.

    Der Beitrag untersucht, unter welchen Bedingungen eine solche Infrastruktur Wissenschaftler*innen zur gemeinschaftlichen Pflege eines Datenbestands aktivieren kann. Die empirische Grundlage bilden Co-Creation-Workshops mit Forschenden aus der Rechtsextremismusforschung. Aus den Diskussionen werden drei zentrale Aktivierungsdimensionen rekonstruiert: Reziprozität (Zugang nur gegen Beitrag), Reputation (Sichtbarkeit kuratorischer Arbeit und von Governance-Rollen) sowie Datenqualität (gemeinsam entwickelte Standards und arbeitsteilige Qualitätssicherung). Daraus leitet der Beitrag Gestaltungsprinzipien für kollaborative Datennutzung ab, die auf kontinuierliche Community-Beteiligung und partizipative Datengovernance angewiesen sind.

  • Schiffbruch mit Daten: Gefahren durch institutionelle Diskontinuitäten minimieren und Resilienz von Forschungsdaten stärken

    Reiner Mauer1, Lisa Pegelow2, Jonas Recker1, Alexander Schuster3
    1: GESIS - Leibniz Institut für Sozialwissenschaften, Deutschland; 2: Forschungsdatenzentrum (FDZ) am IQB; 3: DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und BildungsinformationPräsentation

    Details

    Viele Faktoren, die die langfristige Nutzbarkeit von Forschungsdaten beeinflussen, liegen direkt in unserer Hand als Datenanbieter: Formate, Metadaten, Prozesse und Systeme. Einige Risikofaktoren können wir hingegen kaum bis gar nicht direkt beeinflussen: katastrophale Ereignisse, politische Umschwünge oder Verlust der Finanzierungsgrundlage. Es gilt daher, den Lebenszyklus von Daten unabhängig von der Existenz der datenhaltenden Einrichtung zu denken.

    Forschungsdaten langfristig für die Nutzung zu erhalten, bedeutet Vorsorge für den Fall zu treffen, dass die datenhaltende Organisation selbst die anvisierte oder vertraglich zugesicherte Erhaltungsfrist nicht erfüllen kann. Erfolgen kann dies in Form einer Nachfolgeplanung, die in einer konkreten Vereinbarung mit anderen Organisationen mündet, die archivierten Daten zu übernehmen.

    Eine solche Nachfolgeplanung (auch in Zertifizierungsstandards thematisiert) wird idealerweise schon beim Aufbau eines Forschungsdatenzentrums mitgedacht, denn sie erfordert Vorlauf für Abstimmungen und ggf. Anpassungen in der technischen, organisatorischen und rechtlichen Sphäre.

    Der Beitrag diskutiert, wie Datenbestände und für ihre Nutzung nötige Services (z.B. sichere Zugangsumgebungen mit Output-Kontrolle) aus der ursprünglich datenhaltenden Organisation herausgelöst und an Nachfolgeeinrichtungen übergeben werden können. Er stellt ein im Verbund Forschungsdaten Bildung erarbeitetes Instrument zur Strukturierung der Nachfolgeplanung vor.

F – Daten in der Forschung. Umgang mit Herausforderungen II
  • New Data from the German Pension Insurance: The Combined Demographic Histories (CDH)

    Katharina Werhan1, Michaela Kreyenfeld2,3, Carla Rowold2, Sarah Schmauk3
    1: Deutsche Rentenversicherung Bund; 2: Hertie School; 3: Einstein Center Population Diversity

    Details In our research project “Divorce and Diagnosis (DiDi)”, we examine how divorce impacts health and mortality in Germany. Up to date, there is no German data source that allows to analyze these interdisciplinary questions on the microdata level. Thus, we compiled a new dataset: the Combined Demographic Histories (CDH). The CDH integrates various types of register data from the German Pension Insurance into a single, comprehensive source. It includes information on employment, earnings, health, mortality, and selected family-related variables. The dataset opens up new avenues for research at the intersection of employment, health, and mortality, as well as certain aspects of family life, such as female fertility and divorce. The data covers the period from 2011 to 2024 and includes a random sample of 20% of the population in Germany with a pension account (approximately 15 million persons per year). The data will be updated annually and allows to observe individuals over time. In this presentation, we illustrate the setup and contents of the data and elaborate on how we will make the data available for other research projects.
  • Mobilität in Deutschland: Präzise Daten für eine Mobilität der Zukunft

    Leon Straßgütl, Fabian Surges
    Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen, Deutschland

    Details

    Trends wie das Homeoffice verändern die Mobilität in Deutschland. Um auf Änderungen reagieren und Entwicklungen antizipieren zu können, sind repräsentative Daten zur Alltagsmobilität erforderlich. Die Studie „Mobilität in Deutschland (MiD)“ ist eine der weltweit größten Erhebungen der Alltagsmobilität mit zuletzt 218.101 befragten Haushalten. Vor dem Hintergrund einer geringer werdenden Teilnahmebereitschaft und einer höheren Datenverfügbarkeit wird die Studie MiD aktuell von der Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen (BASt) weiterentwickelt.

    Im neuen Konzept sind zwei Studien vorgesehen: Die „MiD Basis“ wird alle fünf Jahre als groß angelegte Erhebung durchgeführt, um differenzierte Analysen zu ermöglichen. Ergänzt wird dies durch eine jährliche Panelbefragung, „MiD aktuell“, um kurzfristige Entwicklungen abbilden zu können. Um die Daten zur Nachnutzung verfügbar zu machen, wurde der BASt MobilityData-Campus (MDC) gegründet. Derzeit werden die Daten auf zwei Wegen bereitgestellt – höher aggregierte Daten zum Download und granularere Daten im Rahmen eines Remote Access.

    Um den Response Burden der Befragung zu verringern, sollen Wege zukünftig auch teilautomatisiert über Smartphone-basiertes Tracking erfasst werden. Diese Änderung im Erhebungsdesign stellt zugleich eine methodische Herausforderung dar. In Vorstudien wird aktuell geprüft, wie neue und klassische Erhebungsmodi in einer Befragung kombiniert und Sensordaten datenschutzkonform distribuieren zu können.

  • Was Forschende für die Sekundärnutzung qualitativer Daten brauchen: Eine Bestandsaufnahme aktueller Bedarfe, Barrieren und Lösungsansätze

    Kati Mozygemba1, Tobias Gebel2, Heidemarie Hanekop3, Stella Köchling4, Thomas Lösch5, Gesa Saloga3
    1: Universität Bremen, FDZ Qualiservice, Deutschland; 2: DIW Berlin, FDZ Betriebs- und Organisationsdaten, Deutschland; 3: SOFI Göttingen, FDZ eLabour, Deutschland; 4: Deutsches Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung, Deutschland; 5: DIPF, Deutschland Präsentation

    Details

    Die Sekundärnutzung von sensiblen qualitativen Forschungsdaten ist zentral für die Weiterentwicklung einer nachhaltigen Forschungsdateninfrastruktur. Qualitative Daten sind reichhaltig, kontextreich und von hohem wissenschaftlichem Potenzial. Dennoch bleibt trotz erkennbarem Kulturwandel hin zum Data Sharing ihre Nachnutzung immer noch zögerlich und wird eher informell, in enger Kooperation mit den Primärforschenden umgesetzt. Gleichzeitig sind Forschende unsicher, wie sie an geeignete Sekundärdaten gelangen und welche Möglichkeiten der Nachnutzung bestehen. Um die Kultur der Nachnutzung qualitativer Daten adäquat zu fördern, braucht es Wissen darüber, welche Voraussetzungen Forschende heute als notwendig für die Sekundärnutzung ansehen und welche Hindernisse den Weg blockieren.

    Um ein Bild von realen Bedarfen, Barrieren und Lösungsansätzen aus der Forschungspraxis zu zeichnen und konkrete Anhaltspunkte für die Weiterentwicklung der Forschungsdateninfrastruktur zu erhalten, führte QualidataNet einen Workshop mit Forschenden durch. Der Beitrag stellt die Ergebnisse des Workshops vor. Er zielt auf eine kritische Bestandsaufnahme der aktuellen Situation und trägt aktiv zur Verwirklichung des KSWD-Mottos „Data4Society“ bei, indem er die Stimme von Forschenden in die Gestaltung der Dateninfrastruktur einbringt – mit dem Ziel, eine verantwortungsvolle, nachhaltige und praxisnahe Forschungsdatenlandschaft zu schaffen, die die Besonderheiten qualitativer Forschung ernst nimmt.

  • DP-R|EX Metadatenanalyse: Strukturen empirischer Rassismus- und Rechtsextremismusforschung in Deutschland

    Marlene Hilgenstock1, Alexander Jedinger1, Pascal Kolkwitz-Anstötz1, Pascal Siegers1, Theresa Manderscheid2, Mirna El Masri3, Jörg Dollmann3
    1: GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften, Deutschland; 2: Qualiservice – Forschungsdatenzentrum für qualitative sozialwissenschaftliche Forschungsdaten; 3: DeZIM – Deutsches Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung

    Details Das Datenportal für die Rassismus- und Rechtsextremismusforschung (DP-R|EX) weist thematisch relevante Forschungsdaten aus verschiedenen Datenzentren und Repositorien nach und macht diese über Metadaten sicht- und durchsuchbar. Hierfür wurden kontrollierte Vokabulare entwickelt, die Theorien und Konzepte, gesellschaftliche (Minderheits-)Gruppen und Datenarten abbilden, die in den interdisziplinär geprägten Forschungsbereichen von Bedeutung sind. Auf Basis von mittlerweile fast 500 inhaltlich erschlossenen Studien (N = 484) wurde ein Datensatz generiert, der Inhalte und zentrale Erhebungscharakteristika der nachgewiesenen Studien quantitativ abbildet und deren Nutzungsstatistiken, soweit diese verfügbar sind. Diese Datengrundlage wird für eine Exploration der Datenlandschaft anhand der produzierten Forschungsdaten genutzt, wobei der Schwerpunkt auf FAIRen, nachnutzbaren Daten aus dem deutschsprachigen Raum liegt. Untersucht wird, (1) welche Konzepte in der empirischen R|EX-Forschung besonders häufig operationalisiert werden, (2) in welchen Kombinationen sie erhoben werden und (3) wie sich die Studienanalgen je nach Befragtengruppe oder Fokus auf Einstellungen zu bestimmten Minderheitsgruppen unterscheiden. Die Ergebnisse liefern einen systematischen Überblick über thematische Schwerpunkte und typische Operationalisierungsstrategien im Feld. Damit leistet die Analyse einen deskriptiv-analytischen Beitrag zur Transparenz und Reflexion der bestehenden Forschungslandschaft.
15:15-15:30Wechselpause
10:15–11:15Politisches Forum
Stephan Albani, MdB
Dr. Andrea Lübcke, MdB
Prof. Dr. Kerstin Schneider, Vorsitzende des RatSWD
Prof. Dr. Walter Radermacher, ehemaliger Generaldirektor des Statistischen Amtes der Europäischen Union
Dr. Jan-Martin Wiarda, Moderation
16:45-17:15Kaffepause | Meet-the-FDZ: Schwerpunkt Wirtschaft, Umwelt, Verkehr & räumliche Daten
17:15-18:15Pecha Kucha Session I: Forschungsdaten praxisnah: Produkte, Tools und Services
Dr. Bernhard Miller, Moderation
Details

Die Beschäftigungsstatistik schwerbehinderter Menschen (BsbM): Beschreibung und Forschungspotenzial
Karolin Hiesinger, Laura Pohlan, Franka Vetter
Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, Deutschland

Neues aus den Forschungsdatenzentren
Marie-Christine Laible1, Hans-Ullrich Mühlenfeld2, Benjamin Fuchs3
1: Bundesamt für Migration und Flüchtlinge; 2: Statistisches Landesamt Nordrhein-Westfalen; 3: Kraftfahrt-Bundesamt

Effiziente Auswertung großer Datenvolumina mit R
Veronika Chakraverty, Oliver Hauke
Statistisches Bundesamt, Deutschland

BERD Research Data Marketplace - Sichere Datenkooperation zwischen Wissenschaft und Wirtschaft
Florian Stahl, Lennart Reissner, Regina Jutz
Universität Mannheim, Deutschland

Forum4MICA - Das Diskussionsforum rund um Forschungsdaten
Martina Baumann
Leibniz Institute für Bildungsverläufe, Deutschland

18:15-19:15RatSWD Lecture
Ehrung für herausragende Verdienste für die Sozial- und Wirtschaftsforschung
Prof. Dr. Walter Radermacher
Laudatio: Dr. Ruth Brand, Präsidentin des Statstisches Bundesamtet
Präsentation
19:15-21:15Abendempfang

Programm Tag 2 - Dienstag, 23. Juni 2026

09:00-13:00Registrierung
09:15-10:00Plenarvortrag: Nationale Stärken, europäische Perspektiven - Wie kann die EOSC die Forschung unterstützen?
Prof. Dr. Klaus Tochtermann, Direktor des Leibniz-Informationszentrums Wirtschaft
10:00-10:20Kaffe- und Wechselpause | Meet-the-FDZ: Schwerpunkt Bilderung, Beruf & Arbeitsmarkt
10:20-11:35Sessions (G–I)
G – Gesundheitsdaten im Mehrebenensystem
  • Dr. Dorothee Andres, Bundesministerium für Gesundheit
    FDZ Gesundheit: Was funktioniert bereits, was kommt in Zukunft?
  • Dr. Marie Gebhardt, TMF/NFDI4Health
    Gesundheitsdaten im Mehrebenensystem: Blick auf Routinedaten aus den Krankenhäusern und Studiendaten Präsentation
  • Prof. Dr. Peter Tinnemann, Gesundheitsamt Frankfurt/Main
    Gesundheitsdaten im Mehrebenensystem: Perspektive - forschendes kommunales Gesundheitsamt Präsentation
Moderation: Patrick Schmich, Robert Koch-Institut
Details

Ziel der Session ist es, die Potenziale von Gesundheitsdaten für die Sozial- und Wirtschaftswissenschaften sichtbar zu machen und konkrete Zugangs- und Kooperationswege zwischen Forschenden und relevanten Akteur:innen der deutschen Gesundheitsdateninfrastruktur zu diskutieren. Im Mittelpunkt stehen Fragen zu Aggregationsniveaus von Daten, Datenzugängen und zu technischen und organisatorischen Hürden – etwa bei Antragsverfahren oder bei der Datenverknüpfung über unterschiedliche politische und Verwaltungsebenen hinweg.



Die Diskussion soll aufzeigen, welche Erkenntnisse durch die Verknüpfung von Gesundheitsdaten mit weiteren sozial-, verhaltens- und wirtschaftswissenschaftlichen Forschungsdaten möglich sind. Vor dem Hintergrund des geplanten Forschungsdatengesetzes sollen auch rechtliche Rahmenbedingungen thematisiert werden. Erwartet werden praxisnahe Einblicke in Antrags- und Nutzungsprozesse, Berichte zu konkreten Use Cases sowie eine Bestandsaufnahme der gegenwärtigen Gesundheitsdateninfrastruktur.

H – Künstliche Intelligenz
  • Lexikalisch verloren, semantisch gefunden: LLM-gestützte Suche auf der Grundlage von DDI-Metadaten

    David Broneske, Andreas Daniel, Daniel Buck, Anne Weber
    Deutsches Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung, Deutschland Präsentation

    Details Damit Forschungsdaten für Forschende praktisch auffindbar sind, braucht es Suchsysteme, die Daten entlang konkreter Forschungsfragen zugänglich machen. Forschungsdatenzentren machen ihre Metadaten derzeit häufig mithilfe lexikalischer Suchmaschinen (z. B. Elasticsearch) durchsuchbar und liefern Ergebnisse auf Basis lexikalischer Übereinstimmungen. Das ermöglicht eine Volltextsuche und ein elaboriertes Relevanzranking der Suchergebnisse, hat jedoch den Nachteil, dass es keine semantisch relevanten Metadaten findet, wenn fachspezifische Konzepte oder Forschungsfragen nicht ausdrücklich in den Metadaten benannt sind. Dies ist ein Problem, da theoretische Konstrukte oft nur als latente Dimensionen hinter Messinstrumenten stehen und daher nicht in den Metadaten auftauchen. Eine Hoffnung ist, dass mit Hilfe von Large Language Models (LLMs) die semantische Durchsuchbarkeit der Daten verbessert werden kann, da LLMs Bedeutungsähnlichkeiten zwischen Suchanfragen und Metadaten erkennen können, auch wenn diese nicht über identische Begriffe ausgedrückt werden. In unserem Praxisvortrag zeigen wir anhand von Daten des FDZ-DZHW, wie mit einem LLM strukturierte Metadaten im DDI-Codebook-Standard durchsuchbar gemacht werden können und diskutieren die Vor- und Nachteile in Bezug auf den Rechenaufwand und die Qualität der Suchergebnisse im Vergleich zu einer lexikalischen Suchmaschine.
  • KI-Policy für die Analyse sensibler Daten: Ein Erfahrungsbericht aus dem FDZ Bildung

    Thomas Lösch, Maike Porzelt, Alexia Meyermann, Sonja Bayer
    DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation, Deutschland Präsentation

    Details

    Generative KI eröffnet neue Chancen für die Analyse von Forschungsdaten. Dies zeigt sich etwa an Nutzungsanträgen für Unterrichtsvideos und Transkripte, die über das Forschungsdatenzentrum (FDZ) Bildung bereitgestellt werden. Allerdings sind KI-Anwendungen mit Risiken für Datenschutz und Urheberrecht verbunden, wie die De-Anonymisierung von Forschungsteilnehmenden oder das unkontrollierte Vervielfältigen der Daten. Das FDZ Bildung adressiert diese Chancen und Risiken in einer KI-Policy, die Bedingungen konkretisiert, unter denen im FDZ angebotenen Daten mittels KI-Anwendungen analysiert werden dürfen.

    Der Beitrag stellt Entwicklungsschritte hinter der KI-Policy des FDZ Bildung und deren Implikationen für andere Forschungsdatenzentren dar. Die Policy basiert auf Regelungen anderer Infrastrukturanbieter (z. B. des ICPSR), ist rechtlich geprüft und integriert Feedback von Forschenden auf dem Gebiet KI-gestützter Bildungsforschung. Die Policy adressiert urheber- und datenschutzrechtliche Aspekte der KI-gestützten Datennutzung. Sie verpflichtet Nutzende, Vorgaben zu Datenspeicherung, KI-Training und KI-Anbietern einzuhalten. Die Anforderungen variieren je nach der Sensibilität der Daten.

    Der Beitrag bietet praxisnahe Einblicke in die Überführung rechtlicher, ethischer und organisatorischer Anforderungen in handlungsleitende Regeln. So wird gezeigt, wie diese Erfahrungen auf andere Dateninfrastrukturen übertragen werden können.

  • KI‑gestützte Synthetisierung sensibler Daten für evidenzbasierte Politik

    Jakob Napiontek1, Peter-Paul Pichler1, Helga Weisz1,2
    1: Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK); 2: Institut für Kulturwissenschaft, Humboldt-Universität zu Berlin

    Details

    Mit einer synthetischen Bevölkerung für Deutschland präsentieren wir den Einsatz generativer KI zur Synthetisierung sensibler Daten. Ausgangspunkt ist ein Vergleich verschiedener generativer Modelle (u. a. tabellarische GANs, VAEs) hinsichtlich Datenqualität, Nutzbarkeit und Datenschutz. Wir diskutieren praxisnahe Verfahren zur Qualitätsmessung (statistische Ähnlichkeit, multivariate Verteilungen, Downstream-Analysen) sowie zur Absicherung von Datenschutz und Re-Identifikationsrisiken.

    Die auf Basis der Einkommens- und Verbraucherstichprobe (EVS) und des Zensus erstellte synthetische Bevölkerung enthält Daten zu den sozioökonomischen Attributen von 40 Millionen deutschen Haushalten, darunter die soziodemografischen Merkmale ihrer Mitglieder, ihre Wohnung, ihr Einkommen und ihre Ausgaben. Der Beitrag zeigt, wie KI in Dateninfrastrukturen eingesetzt werden kann, um Forschung und evidenzbasierte Politik zu unterstützen, ohne die Vertraulichkeit zu gefährden.

    Am Beispiel der Wärmewende lässt sich mithilfe dieser hochauflösenden Daten identifizieren, welche Haushalte besondere Unterstützung benötigen und in welchen Gebieten eine Förderung aufgrund des Gebäudebestands oder der ökonomischen Situation weniger effektiv wäre.

  • Das Multi-Item Scales Project: Eine KI-gestützte Forschungsinfrastruktur für Messskalen

    Robin Frasch, Thomas Schreiner, Mark Heitmann
    Universität Hamburg, Deutschland Präsentation

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    Validierte Messinstrumente sind eine zentrale Grundlage empirischer Forschung in den Sozial- und Wirtschaftswissenschaften. Dennoch sind Informationen zu Skalen, etwa Item-Formulierungen, bislang fragmentiert, uneinheitlich dokumentiert und nur mit erheblichem Aufwand zugänglich. Dies erschwert Transparenz, Reproduzierbarkeit und die nachhaltige Nutzung dieser Skalen.

    Dieser Beitrag stellt das Multi-Item Scales Project vor, eine daten- und KI-gestützte Forschungsinfrastruktur zur systematischen Erfassung, Strukturierung und Analyse von Messskalen. Auf Basis einer umfangreichen Datengrundlage mit mehreren tausend Skalen wurden mithilfe eines speziell entwickelten KI-Parsers Item-Formulierungen, Metadaten, Reliabilitäts- und Validitätsinformationen sowie bibliografische Angaben automatisiert extrahiert und in einer einheitlichen, maschinenlesbaren Datenstruktur zusammengeführt. Die resultierende Datenbank ermöglicht erstmals einen standardisierten, durchsuchbaren Zugang zu diesen Messinstrumenten.

    Über die Bereitstellung der Infrastruktur hinaus eröffnet das Projekt neue Möglichkeiten für die Forschung. Bibliometrische, semantische und psychometrische Analysen erlauben es, die Entwicklung von Konstrukten über Zeit, konzeptionelle Überlappungen, Redundanzen sowie methodische Trends systematisch zu untersuchen. Ergänzende KI-Tools unterstützen die kontinuierliche Erweiterung der Datenbasis, die Vergleichbarkeit bestehender Instrumente und frühe Phasen der Skalenentwicklung.

I – Datenkompetenzen
  • Erstellung von synthetischen Daten zur Nutzung des Mikrozensus in der Hochschullehre

    Colin Schmidt, Amelie Plöger, Sarah Dr. Redlich
    IT.NRW, Deutschland Präsentation

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    Data Literacy umfasst das Verständnis von Daten von der Aufbereitung, über die Analyse, bis zur Interpretation sowie die Geheimhaltung sensibler Einzelangaben. Um Data Literacy bei Studierenden zu fördern bedarf es möglichst realitätsnaher Daten, die in der Hochschullehre eingesetzt werden können. Solche Daten werden von den FDZ der amtlichen Statistik als Campus-Files (CF) zur Verfügung gestellt ohne den Anspruch für wissenschaftliche Veröffentlichungen geeignet zu sein.

    Klassische Anonymisierungskonzepte (Substichprobenziehung, Merkmalsausschluss, Merkmalsvergröberung, Einschränkung regionaler Ebenen) schränken den Einsatz in der Hochschullehre stark ein. Hier sollen synthetische Datensätze Abhilfe schaffen, die wesentliche Strukturen der Originaldaten abbilden, ohne einzelne Personen und Haushalte identifizierbar zu machen.

    Der Beitrag befasst sich mit der Erstellung synthetischer Daten für die Hochschullehre. Es werden die Vorteile von synthetischen Daten vorgestellt und anschließend das methodische Vorgehen zur Erstellung von Mikrozensus-CF unter Einsatz von binären Entscheidungsbäumen skizziert. Als Trainingsdaten dienen faktisch anonymisierte Scientific-Use-Files. Mittels statistischer Verfahren wird quantifiziert, welche Nähe zu den Ausgangsdaten erreicht wird, ohne die absolute Anonymität der Daten zu gefährden. Abschließend wird aufgezeigt, wie die Daten zugänglich gemacht werden sollen und in der Hochschullehre eingesetzt werden können.

  • RDM Compas – Professionalisierung des Forschungsdatenmanagements

    Ekaterina Chicherina1, Lisa Spitzer2, Katarina Blask2, Olivier Rouquette1
    1: GESIS Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften; 2: ZPID Leibniz-Institut für Psychologie

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    Getrieben von Open Science und der wachsenden Bedeutung von Forschungsdaten steigt der Bedarf an nachhaltigem Forschungsdatenmanagement (FDM). Damit gewinnen FDM-Fachleuten wie Data Stewards und Datenkuratierenden an Bedeutung. Sie sind zentral, um nachhaltige Datenpraktiken umzusetzen, den Zugang zu sichern und die Qualität von Forschungsdaten über ihren Lebenszyklus hinweg zu verbessern.

    Um diesen Zielen gerecht zu werden, benötigen FDM-Fachkräfte sowohl tiefgehende Kenntnisse über FDM allgemein als auch spezifisches Wissen zu disziplinären Anforderungen und Datentypen. Die Ausbildung ist jedoch institutionell und disziplinär verstreut, standardisierte Ausbildungspfade fehlen.

    Um diese Lücke zu schließen, wurde RDM Compas von KonsortSWD als frei zugängliche Online-Plattform entwickelt. RDM Compas bietet relevante Informationen und Schulungen zu Aufgaben der Datenkuratierung, um FDM-Fachleute in ihrer Rolle als Vermittler*innen einer qualitätsgesicherten und nachhaltigen FDM-Praxis zu unterstützen und ihre Kompetenzen im Bereich des FDM zu erweitern.

    Unser Beitrag beleuchtet relevante Themen und Trainingsbedarfe bei FDM-Fachleuten entlang des Datenkurationslebenszyklus, basierend auf einer eigenen Umfrage. Dabei identifizieren wir bestehende Kompetenzen, Kenntnisse und Weiterbildungsbedarfe und geben praxisnahe und empirisch fundierte Einblicke in relevante Herausforderungen und Lösungsansätze im Arbeitsalltag von FDM-Fachkräften.

  • Data Stewardship als Profession. Zur begrifflichen und institutionellen Etablierung

    Willi Pröbrock
    TU Berlin, Deutschland

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    Im Zuge tiefgreifender Digitalisierungs- und Mediatisierungsprozesse wird die Lebenswelt von Forscher:innen ebenso wie die Organisation wissenschaftlicher Arbeit grundlegend refiguriert. Insbesondere die systematische Erzeugung, Verwaltung und Nachnutzbarmachung digitaler Forschungsdaten gewinnt an Bedeutung. In diesem Kontext etabliert sich Data Stewardship als neue akademische Profession im Wissenschaftsmanagement, häufig mit dem Richtwert verknüpft, dass eine Data Steward:ess (DS) für etwa zwanzig datenproduzierende Forschende zuständig ist. In Deutschland und Österreich sind in den vergangenen Jahren an universitären wie außeruniversitären Forschungseinrichtungen verschiedene Ausbildungs- und Zertifizierungsprogramme für DSs entwickelt und erprobt worden. Erste Kohorten haben diese Programme durchlaufen und sind als Expert:innen in unterschiedlichen institutionellen Kontexten tätig. Dabei zeigt sich, dass Tätigkeitsprofile und Kompetenzanforderungen von DSs je nach Disziplin und Geltungsbereich erheblich variieren.

    Der Beitrag vergleicht ausgewählte Ausbildungs- und Zertifizierungsprogramme. Im Zentrum steht die Frage, inwiefern sich je nach institutioneller Anbindung der Programme unterschiedliche Ansprüche an DS artikulieren. Fokussiert wird die These, inwiefern Universitäten primär theoretische Grundlagen vermitteln, während andere, primär außeruniversitäre Forschungseinrichtungen tendenziell praxisorientiert ausbilden.

  • StanDem im Tandem: Input- und Output-Harmonisierung als Doppelstrategie für vergleichbare soziodemographische Daten in deutschen Umfragen

    Silke Schneider1, Luigi Droste1,2
    1: GESIS - Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften, Deutschland; 2: Universität Münster, Institut für SoziologiePräsentation

    Details

    Die Vergleichbarkeit soziodemographischer Variablen stellt eine zentrale Herausforderung bei der Nutzung kumulierter Umfragedaten dar, da bisherige Erhebungsinstrumente in Deutschland trotz existierender "Demographischer Standards" erhebliche Unterschiede in der Erfassung dieser Merkmale aufweisen. Dadurch sind die erhobenen Daten oft nicht unmittelbar interoperabel.

    Das KonsortSWD-Teilprojekt StanDem verfolgt einen innovativen Ansatz zur Standardisierung soziodemographischer Merkmale in deutschen Umfragedaten durch die Kombination von Input- und Output-Harmonisierung. In der ersten Projektphase (2020-25) entwickelte und dokumentierte das Projekt standardisierte Zielvariablen, die aus inkonsistenten Quellvariablen verschiedener Studien abgeleitet werden können. Ziel ist es, die Vergleichbarkeit von Daten über unterschiedliche Studien hinweg zu maximieren, die Datenqualität zu sichern und Forschungsprozesse zu vereinfachen – beispielsweise für Metaanalysen oder Sekundärdatenanalysen.

    Im Vortrag werden methodische Herausforderungen und Lösungen bei der Definition und Validierung dieser Standardvariablen vorgestellt und anhand der Merkmale „Migrationserfahrung“ und „Erwerbstätigkeit“ illustriert. Es werden sowohl Maximal- als auch Minimalversionen der Standardvariablen thematisiert, um sowohl hohe Validität als auch breite Anwendbarkeit sicherzustellen. Zudem wird ein Ausblick auf die Unterstützung durch das Teilprojekt StanDem für FDZen und Datennutzende gegeben.

11:35-12:05Kaffe- und Snackpause | Meet-the-FDZ: Schwerpunkt Sozialwissenschaftliche Umfrageprogramme
17:15-18:15Pecha Kucha Session II: Forschungsdaten praxisnah: Datenkompetenz, Zugang und aktuelle Herausforderungen
David Prinz, Moderation
Details

Zahnstocher oder Brechstange? Potentiale und Probleme von Plattformdatenzugang in DSGVO, DSA und DMA
LK Seiling
Weizenbaum Institut, Deutschland

Die Vermittlung von Datenkompetenz im Bundesinstitut für Berufsbildung
Beatrice van Berk, Anett Friedrich, Judith Offerhaus
Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), Deutschland

Brücken bauen: Forschungsdatenmanagement (FDM) in der Sportwissenschaft als Modell für interdisziplinäre Kooperation
Katja Keller, Christian Rose, Claudia Niessner
Karlsruher Institut für Technologie, Deutschland

Das FAX bleibt! – Herausforderungen von Forschungsdatenzentren in Behörden
Dana Müller1, Marie-Christine Laible2, Hanna Brenzel3
1: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, Deutschland; 2: Bundesamt für Migration und Flüchtlinge; 3: Statistisches Bundesamt

KODAQS – Kompetenzzentrum Datenqualität in den Sozialwissenschaften
Fiona Draxler, Anne-Kathrin Stroppe
GESIS - Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften, Deutschland

Barrierefreiheit bei Forschungsdaten - Data4Society heißt barrierefreie Daten
Tina Hinz1, Cord Wiljes2
1: Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, Deutschland; 2: Nationale Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) e.V.

10:15–11:15Zwischen Herausforderungen und Chancen: Data4Society weiterdenken
Prof. Dr. Kerstin Schneider, Vorsitzende des RatSWD
Prof. Dr. Christof Wolf, Sprecher des Konsortiums für die Sozial-, Verhaltens-, Bildungs- und Wirtschaftswissenschaften (KonsortSWD)
Lisa Kühn, Leiterin der Geschäftsstelle des RatSWD