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FDM-Projektförderung

Die FDM-Projektförderung unterstützt Forschende bei der Aufbereitung und Bereitstellung relevanter neuer Datenkorpora für eine Sekundärnutzung.

Die Verfügbarkeit von Forschungsdaten ist essentiell für die wissenschaftliche Forschung. Insbesondere der Nachnutzbarkeit von Daten kommt eine immer wichtigere Rolle im wissenschaftlichen Forschungsprozess zu. Die Bereitstellung von Forschungsdaten gemäß der FAIR Prinzipien ist daher zu einem wichtigen Kriterium in der Beurteilung der wissenschaftlichen Qualität von Forschung  geworden. Im Kontext von Forschungsdatenzentren sind vielfältige Infrastrukturen für die nachhaltige Bereitstellung von Forschungsdaten etabliert. Die Projektförderung Forschungsdatenmanagement des KonsortSWD zielt darauf ab, vorhandene Datenschätze in diese nachhaltigen Forschungsinfrastrukturen zu überführen und Forschung damit zu ermöglichen.

Die FDM-Projektförderung unterstützt Forschende bei der Aufbereitung und Bereitstellung relevanter neuer Datenkorpora für eine Sekundärnutzung. Sie verfolgt das Ziel, qualitative und quantitative Datenkorpora, die der wissenschaftlichen Gemeinschaft noch nicht zugänglich sind, für die Nachnutzung zur Verfügung zu stellen. Auch die Anreicherung bestehender Datenkorpora mittels Verknüpfung zu weiteren Datenquellen kann gefördert werden, wenn dadurch das Analysepotential von Datenquellen deutlich gesteigert wird. Durch die Zusammenarbeit mit einem Forschungsdatenzentrum (FDZ) können Datenhalterinnen und Datenhalter ihre einzigartigen Daten der wissenschaftlichen Gemeinschaft zur Verfügung stellen und von dem professionellen Datenmanagement der FDZ profitieren, um die Sichtbarkeit ihrer Daten und die Reichweite ihrer Forschung zu steigern.

Die erste Ausschreibungsrunde endete im April 2021; die nächste Ausschreibung ist für 2023 vorgesehen.

Geförderte Projekte der Ausschreibungsrunde 2021

B-STA-R: Bilateral Science and Technology Agreements Repository

  • Antragsteller: Nicolas Rüffin (WZB)
  • Beteiligtes FDZ: GESIS
  • Projektstart: 01.07.2021
  • Projektende: 31.08.2021

Rüffin, Nicolas (2021): B-STA-R: A repository for bilateral science and technology agreements. Version 1.0.0. WZB Berlin Social Science Center. Dataset.
doi.org/10.7802/2310

Der B-STA-R-Datensatz enthält Informationen zu 1138 originären bilaterale Abkommen zur wissenschaftlich-technischen Zusammenarbeit sowie zu einer Reihe von Folgeverträgen, die
hauptsächlich von Ländern der G20 und der OECD im Zeitraum zwischen 1937 und 2020
abgeschlossen wurden. Die Daten wurden im Zeitraum zwischen 2017 und 2021 erhoben,
zwischen Juli und August 2021 zur Veröffentlichung vorbereitet und im September 2021 pu-
bliziert. Sämtliche veröffentlichten Informationen stehen interessierten Nutzenden unter einer CC BY 4.0-Lizenz zur Verfügung.
Dokumentiert sind u.a. Informationen zum Jahr des Vertragsabschlusses, zum Inkrafttreten,
die initial vereinbarte Vertragslaufzeit sowie zur Existenz von Volltexten der Abkommen. Des
Weiteren steht eine umfassende Erläuterung der Suchstrategien in der Generierung des Da-
tensatzes und zu verwendeten Selektionskriterien zur Verfügung. Alle Angaben sind in engli-
scher Sprache gehalten. B-STA-R erlaubt damit wissenschaftliche Untersuchungen im Be-
reich der Internationalen Beziehungen, Wissenschaftsforschung, der Außenwissenschaftspo-
litik, sowie der Geschichtswissenschaften.

Harmonisierung und Zusammenführen der Daten der Startkohorte 4 des Nationalen Bildungspanels (NEPS) mit den Daten des Children of Immigrants Longitudinal Survey in Four European Countries (CILS4EU)

  • Antragsteller: Dr. Jörg Dollmann (MZES, Universität Mannheim), Andreas Horr (LIfBi)
  • Beteiligtes FDZ: LIfBi-FDZ
  • Projektstart: 01.07.2021

Ziel des Projekts ist es, zusätzliche Forschungspotentiale durch die Kombination der beiden qualitativ hochwertigen Datenquellen NEPS SC4 und CILS4EU zu erschließen, die mit den jeweils einzelnen Datensätze nicht oder nur bedingt möglich wären. Für national angelegte Analysen stellt eine Kombination beider Quellen eine sinnvolle Bereicherung dar, darüber hinaus wird es möglich sein, die Daten von NEPS SC4 für internationale Vergleiche nutzbar zu machen, um Schulkarrieren von Jugendlichen in Deutschland denen in England, den Niederlanden oder Schweden (den drei – neben Deutschland – teilnehmenden Ländern in CILS4EU) gegenüberzustellen. Die Kombination der beiden Datensätze bietet sich an, da sich sowohl NEPS SC4 als auch CILS4EU auf dieselbe Zielpopulation (Jugendliche im Alter von 14-15) bzw. sogar auf dieselbe Grundgesamtheit beziehen (Jugendliche in Klasse 9 im Schuljahr 2010/11) und einen sehr ähnlichen Samplingansatz auf Schulebene umgesetzt haben.

Mobiles Wissen: Die Glokalisierung von medizinischem professionellem Wissen und professioneller Praxis (Glopro)

  • Antragstellerin: Prof. Dr. Anja Weiß (Universität Duisburg-Essen)
  • Beteiligtes FDZ: Prod. Dr. Betina Hollstein (FDZ Qualiservice, Universität Bremen)
  • Projektstart: 01.07.2021
  • Projektende: 30.11. 2021

Sommer, Ilka; Weingartz, Sarah; Elçin, Melih; Tuncel, Bilge; Weiß, Anja (2021): Globalizing medical knowledge and practise: Doctor-patient-interaction videoobserved at a university hospital in Ankara (Turkey). Transcripts, translation, audiovisual and context material. Qualiservice. (data set).                                                                                                    https://doi.org/10.1594/PANGAEA.939234

Weiß, Anja; Sommer, Ilka; Chen, Wei; Liu, Tao; Guo, Fan; Liu, Wenting (2021): Globalizing medical knowledge and practise. Doctor-patient-interaction videoobserved at a university hospital in Beijing (PRChina). Transcripts, translation, audiovisual and context material. Qualiservice. (data set).                                                                                                      https://doi.org/10.1594/PANGAEA.939235

Weiß, Anja; Sommer, Ilka; Merse, Stefanie; Weingartz, Sarah; Wietasch, Götz; Maass, Alexander; Assa, Solmaz (2021): Globalizing medical knowledge and practise. Doctor patientinteraction videoobserved at a university hospital in Groningen (Netherlands). Transcripts, translation, audiovisual and context material. Qualiservice. (data set). https://doi.org/10.1594/PANGAEA.939238

Weiß, Anja; Sommer, Ilka; Merse, Stefanie; Störk, Stefan; Breunig, Margret; Morbach, Caroline (2021): Globalizing medical knowledge and practise. Doctor-patient-interaction videoobserved at a university hospital in Würzburg (Germany). Transcripts, translation, audiovisual and context material. Qualiservice. (data set).                                           https://doi.org/10.1594/PANGAEA.939245

Die vier Datensätze des Glopro-Projekts erweitern das Spektrum der qualitativen
sozialwissenschaftlichen Forschungsdaten um national und international bislang für die
Nachnutzung kaum verfügbare audiovisuelle Daten. Der besonderen Sensibilität, die aus der
Erhebung mittels Videoaufzeichnungen folgt, wird Qualiservice durch organisatorischtechnische Maßnahmen gerecht und garantiert die nachhaltige wissenschaftliche Nachnutzbarkeit.

Durch das vergleichende Forschungsdesign, die hohe Informationsdichte der Videoaufzeichnungen, die Transkriptionen in den Landessprachen sowie die Übersetzungen
auf Englisch bieten diese Daten vielfältige Möglichkeiten für Sekundäranalysen und die
Bearbeitung von Fragestellungen, insbesondere aus der Professionsforschung, der
Wissenssoziologie, der Medizinsoziologie und den Gesundheitswissenschaften.

Das Projekt Glopro untersucht die Globalität/Universalität bzw. die Lokalität/Spezifik
professionellen medizinischen Wissens. Auf Grundlage der anonymisierten Transkripte, die
auf Anfrage zur Verfügung gestellt werden können, ermöglicht der Datensatz die Bearbeitung von Fragestellungen u.a. in der Soziologie (Medizinsoziologie, Social Studies of Science and Medicine, Professionssoziologie, Interkulturalität, Migrationsforschung), aber auch Grundlagenforschung z.B. in der Wissenssoziologie. Die Videos des Datensatzes können unter den Bedingungen des Datenschutzkonzepts von Qualiservice z.B. für Grundlagenforschung in der Interaktionssoziologie genutzt werden. Forschung zur medizinischen Kommunikation sowie konversationsanalytische Forschung im Bereich der
Primär- und Sekundärversorgung hat bislang kaum in einem transnational vergleichenden
Rahmen stattgefunden. Mit dem Datensatz ergeben sich hervorragende Vergleichsmöglichkeiten, u.a. auch für vergleichende linguistische Forschung.

Darüber hinaus hat der Datensatz (v.a. in Form der anonymisierten Transkripte) großes
Potential zur Weiternutzung für die Medizindidaktik, worauf in interdisziplinären
Diskussionsrunden von Medizindidaktiker_innen mehrfach hingewiesen wurde. Zum einen
ließen sich „best practices“, aber auch typische in der Arzt-Patienten-Kommunikation
auftretende Probleme aufzeigen. Andererseits bietet die vergleichende Perspektive
Möglichkeiten, bestehende kommunikative Routinen zu reflektieren und kritisch zu
hinterfragen.

Gesundheitsverhalten und Unfallgeschehen im Schulalter

  • Antragsteller: Prof. Dr. Andreas Klocke (Forschungszentrum Demografischer Wandel (FZDW) der Frankfurt University of Applied Sciences)
  • Beteiligtes FDZ: FDZ-LIfBi
  • Projektstart: 01.07.2021

Aufbereitung, Dokumentation und Bereitstellung des Datenkorpus der
Panelstudie „Gesundheitsverhalten und Unfallgeschehen im Schulalter“. Die Daten der in sechs Wellen durchgeführten Befragung von mehr als 10.000 Schüler:innen der 5. bis
10. Jahrgangsstufe, ergänzt um Angaben der Schulleiter:innen und Interviewer:innen, bieten der wissenschaftlichen Gemeinschaft ein reichhaltiges Analysepotenzial im Schnittbereich der Bildungs- und Schul- sowie Risiko-, Unfall- und Gesundheitsforschung.

Sprachsituation an der innerdeutschen Grenze

  • Antragsteller: Dr. Nicole Palliwoda (Universität Siegen), Prof. Dr. Alexander Werth (Universität Passau)
  • Beteiligtes FDZ: Dr. Thomas Schmidt (Archiv für Gesprochenes Deutsch (AGD) am Leibniz-Institut für Deutsche Sprache (IDS))
  • Projektstart: 01.09.2021

Erschließung und Bereitstellung von Daten aus zwei Projekten zur Sprachsituation an der innerdeutschen Grenze für die Sekundärnutzung. Mit dem Material werden Forschungsinteressen der Dialektologie, der Sprachwandelforschung und der Sprachsoziologie bedient. Hinzu kommen disziplinenübergreifende Anbindungen an Forschungsfragen der Soziologie (z. B. Sozio-Biografie), der Geschichtswissenschaft (bes. Oral History) und Politologie (z. B. Einstellungsforschung). Die soziolinguistischen Korpora zum Sprachgebrauch an der innerdeutschen Grenze enthalten Audio-Sprachaufnahmen und Transkripte.

Paying Attention to Attention: Media Exposure and Opinion Formation in an Age of Information Overload

  • Antragsteller: Prof. Dr. Simon Munzert (Hertie School)
  • Beteiligtes FDZ: FDZ-Wahlen GESIS
  • Projektstart: 01.09.2021

Aufbereitung und Bereitstellung eines komparativen Panelsurvey-Datensatzes aus den USA und Deutschland in Kombination mit Webtrackingdaten für die wissenschaftliche Nachnutzung. Die Inhalte der Befragung machen den Datenkorpus unter anderem für politik-, kommunikations- und medienwissenschaftliche sowie soziologische Fragestellungen interessant. Die Verknüpfung der Befragungs- mit Trackingdaten trägt dabei wesentlich zur Attraktivität der Datenbasis bei; gleichzeitig ist die Erforschung der Machbarkeit der Zurverfügungstellung solcher potentiell hochsensiblen Daten über die Nützlichkeit der konkreten Projektdaten hinaus relevant. Im Rahmen dieses Projekts wird daher ein Anonymisierungskonzept für diese Webtrackingdaten entwickelt.

MainLife-Entwicklung der Lebensgeschichte

  • Antragsteller: Prof. Dr. Tilmann Habermas (Goethe-Universität Frankfurt am Main)
  • Beteiligte FDZ: Prof. Dr. Betina Hollstein (FDZ Qualiservice, Universität Bremen); GESIS
  • Projektstart: 01.09.2021

Aufbereitung, Dokumentation und Bereitstellung der Studie “MainLife-Entwicklung der Lebensgeschichte“ für die wissenschaftliche Nachnutzung. Die Studie verknüpft auf seltene Weise qualitative (Lebenserzählungen) mit umfangreichen quantitativen Daten in einem longitudinalen (16 Jahre, 5 Messungen) Design mit sechs die Lebenspanne (8-80 Jahre) abdeckenden Kohorten (Kohortensequenzdesign). Beide Teile können getrennt wie auch in Verbindung miteinander nachgenutzt werden.
MainLife ermöglicht zu untersuchen, wie sich die Fähigkeit entwickelt, das eigene Leben zu erzählen, wie sich der Rückblick auf das eigene Leben, und damit die narrative Identität, mit der Zeit verändert, sowie differenzielle Entwicklungsverläufe über die gesamte Lebensspanne zu betrachten. Die Lebenserzählungen können zu Lebensereignissen, Persönlichkeit und Wohlbefinden in Beziehung gesetzt werden. Sie können qualitativ und quantifizierend für vielfältige Fragestellungen aus Psychologie, Soziologie und Linguistik sowie interdisziplinäre Fragestellungen ausgewertet werden.

Anonymisierungskonzept für einen verknüpften Betriebsdatensatz des Bundesarchivs mit den Daten des IAB

  • Antragsteller: Dr. Sandra Dummert ; Dr. Heiko Stüber; Dana Müller (FDZ-BA/IAB)
  • Beteiligtes FDZ: FDZ-BA/IAB
  • Projektstart: 01.01.2022
  • Projektende: 31.03.2022

Ziel des Forschungsprojektes „Anonymisierungskonzept für einen verknüpften Betriebsdatensatz aus Daten des Bestandes B 412, Treuhandanstalt / Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderaufgaben (THA/BvS), des Bundesarchivs (BArch) mit den Daten des IAB“ war die Erstellung eines Konzeptes, wie verknüpfte Daten beider Institutionen – BArch und IAB – anonymisiert werden sollten, um diese datenschutzkonform im Sinne des Bundesarchivgesetzes (BArchG) und des Sozialgesetzbuches (SGB) zukünftig der Forschungsgemeinschaft anbieten zu können. Bei den Daten handelt es sich zum einen um Daten der THA/BvS, die beim BArch aufbereitet unter der Signatur B 412/135408 archiviert sind. Diese wurden gem. BArchG dem Forschungsdatenzentrum der Bundesagentur für Arbeit im Institut für Arbeitsmarkt -und Berufsforschung (FDZ-BA/IAB) für ein Kooperationsprojekt mit dem Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) zur Verfügung gestellt und zum anderen um administrative Betriebsdaten des IAB, genauer das Betriebs-Historik-Panel (BHP) ergänzt. Die Daten beider Institutionen verfügen über ähnliche Informationen und sind damit geeignet einen historischen Forschungsdatensatz aufzubauen. Zur Erstellung des Anonymisierungskonzeptes wurden die weitreichenden Daten der THA/BvS durch das IAB zunächst gesichtet. Im Zuge von zwei Auswahlschritten erfolgte anschließend die Auswahl geeigneter vergleichbarer Variablen. Während im ersten Auswahlschritt die (hypothetische) Eignung für die Arbeitsmarkt- und Berufsforschung — im Sinne des eingeschränkten zweckgebundenen Datenzugangs nach dem SGB — geprüft wurde, bildeten berechnete (Verteilungs-)Kennziffern die Entscheidungsgrundlage des zweiten Auswahlschrittes. Informationen, die eine Identifikation von Betrieben erleichtern (oder gar ermöglichen), wurden in beiden Auswahlschritten ausgeschlossen. Um eine ReIdentifikation von Betrieben auszuschließen, sollen einige ausgewählte Variablen der Arbeitsmarkt- und Berufsforschung nur in vergröberter Form bereitgestellt werden und es bedarf nach dessen Aufbereitung einer Stichprobenziehung des verknüpften Datensatzes. Das Anonymisierungskonzept ist ein entscheidender Baustein für die Einhaltung der Datenschutzanforderungen sowohl gem. BArchG als auch gem. SGB und unterstützt die weiteren Arbeiten, ein verknüpftes Datenprodukt aus den THA/BvS-Daten und den administrativen Betriebsdaten des IAB für die Forschungsgemeinschaft zu ermöglichen.